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14Jul/1010

Twitter, oder auch “Tod der Blogosphaere”

Twitter frisst die Blogs auf

Twitter frisst die Blogosphäre auf

Neben Stars, Politikern und anderen Persönlichkeiten der allgemeinen Öffentlichkeit nutzt in Deutschland nun auch immer öfter der Otto Normalverbraucher den Microbloggingdienst Twitter um die Welt über aktuelle Situationen des eigenen Lebens auf dem Laufenden zu halten. Primär wird der Dienst jedoch von Webdesignern, SEOs und Bloggern verwendet, die über Twitter ständig aktuelle und interessante Webinhalte posten. Doch wie gefährlich ist diese Inflation der Blogosphäre durch den Microbloggingdienst wirklich? Haben Weblogs überhaupt noch eine Zukunft?

Kommentare, Trackbacks und Co?

Ein Blog lebt von Kommentaren und Reaktionen auf die geschriebenen Artikel, denn nur diese signalisieren dem Betreiber ein öffentliches Interesse. Ehe Twitter die Blogosphäre heim gesucht hat, lag die Anzahl von Kommentaren um ein deutliches höher. Solche Zahlen gehören heute eher der Seltenheit an, da der Artikel, sofern er gefällt, einfach getwittert wird. Ähnlich sieht es auch mit Trackbacks aus. Ein Retweet ist komfortabler als ein extra Post im eigenen Blog um auf einen interessanten Artikel aufmerksam zu machen.

Gestern habe ich sogar erlebt, dass man über meinen Artikel bei Twitter geschrieben hat, anstatt einen Kommentar im Blog zu hinterlassen. Für die eigene Werbung des Blogs, scheint Twitter also eine gute Plattform zu sein. Doch was Hilft alle Bekanntheit, wenn jegliche Konversation auf dem Blog aus bleibt?

Wer braucht eigentlich einen RSS-Feed?

Wenn in der Vergangenheit ein Blog gefallen hat, legte man sich ein RSS-Lesezeichen in seinen Browser oder einen anderen RSS-Reader. Nach der Inflation der Blogosphäre wird heute in erster Linie dem Twitteraccount des Bloggers gefolgt um so über seine Beiträge auf dem Laufenden zu bleiben. Denn dieser wird garantiert versuchen seine Beiträge über die Plattform zu publizieren.

Früher konnte man also über einen Feed-Counter wie Feedburner alle regelmäßigen Leser des Blogs erfassen und so der Öffentlichkeit eindrucksvoll den Stellenwert der Seite demonstrieren. In 2010 entspricht diese Zahl nicht mehr der Realität, da eine Reihe von regelmäßigen Lesern über Twitter auf den Blog findet.

Ist Twittern sinnvoller als Bloggen?

Meiner Empfindung nach, gehen in den letzten Monaten immer mehr gute Ideen für interessante Blogposts in der Timeline von Twitter verloren. 140 Zeichen reichen in der Regel nicht für eine ausführliche Beschreibung eines interessanten Weblinks aus. Daraus folgt eine minderwertige Darstellung des Miniblogposts. Im eigenen Blog werden auf Grund fehlender Motivation später nur 5% aller Tweets nochmal aufgearbeitet.

Mariofischer Twittert super Blog-Grundlage

Mariofischer twittert super Blog-Grundlage

In erster Linie bestimmen deshalb Tutorials und themenspezifische hoch relevante Artikel die Blogosphäre. Diese erfreuen sich gegebenenfalls auch viele Retweets, sind aber nach kurzer Zeit auch wieder aus dem Fokus des Nutzers verschwunden und liegen somit brach im Blog herum.

Wann der eigene Blog und wann Twitter in Anspruch genommen werden sollte, liegt also am Umfang der geplanten Meldung. Natürlich gibt es Beiträge, die nicht unnötig in die Breite gezogen werden sollten und deshalb auf 140 Zeichen besser aufgehoben sind. Dazu gehören zum Beispiel schnelle News-Meldungen, die sich so schneller verbreiten können, als wenn erst hunderte Blogs darüber berichten würden. In diesen Fällen halte ich die alleinige Nutzung von Twitter für gerechtfertigt.

Wie verändern sich Weblogs in Zukunft?

Im Ursprung waren Blogs kleine Linksammlungen, die durch eine Kommentarfunktion die Möglichkeit der Konversation boten. Die Artikel rund um diese publizierten Links wurden mit der Zeit immer umfangreicher und später auch häufig mit anderen Blogs verlinkt. So entstand das sogenannte Trackbacking.

Genau nach diesem Verfahren bloggen heute noch 90% der Szene. Man greift ein Thema auf, beschreibt es kurz und verlinkt es dann mit einem umfangreicherem spezifischen Beitrag. Nach Vollendung des Artikels hofft man auf eine rege Diskussion durch die Leser. Woher uns das jetzt bekannt vorkommt? Ja - genau so funktioniert eben auch Twitter.

Wenn die aktuelle Entwicklung anhält und immer mehr herkömmliche Internet-Nutzer mit dem zwitschern beginnen, haben Video-Blogs oder sogenannten Lustige-Links-Blogs schnell das Ende vor Augen, da Videos von Youtube und Co direkt in Twitter verlinkt werden, anstatt diese über einen Videoblog zu verschicken.

Fazit: Twitter überlebt die Weblogs

Irgendwie erinnert mich die ganze Debatte an den Short Message Service (SMS) bei den Mobilfunkanbietern. Früher wurden lange Briefe zur Kommunikation geschrieben, heute passen diese Informationen in 160 Zeichen. So wird sich die Blogosphäre meiner Meinung nach auch entwickeln. Die Nutzer werden lernen sich kurz zu fassen und die Mehrheit aller relevanter Fakten in 140 Zeichen unterzubringen. So werden herkömmliche Blogs wie diese hier immer weiter aussterben. News-Portale und Magazine werden es aber auch in Zukunft schaffen eine Vielzahl an Lesern zu begeistern.

Wie ist eure Meinung dazu?


Bildnachweis:
(1) Gerald Kollmann / Pixelio

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Kommentare (10) Trackbacks (4)
  1. “Ein Blog lebt von Kommentaren und Reaktionen auf die geschriebenen Artikel, denn nur diese signalisieren dem Betreiber ein öffentliches Interesse.”

    So sollte es eigentlich sein. Ich merke es an meinem 1 Monate alten Blog – nur werden hier die Kommentare hauptsächlich via Facebook und nicht wie eigentlich angedacht im Blog hinterlassen.

    Generell kann man schon von einem “Blog-Sterben” sprechen, was ich bedauerlich finde. Mir begegnen viele Blogs in letzter Zeit deren letzter Eintrag schon über 1 Jahr alt ist.

  2. Ich glaube Blogs werden weiterhin ihre Berechtigung finden. Gerade für Produkttests oder Berichte über Neuerscheinungen gibt es nichts besseres. Tweeds sind halt immernoch zu kurz dafür!

  3. Ich denke, wie bei so vielem es macht die Kombination aus den Möglichkeiten. Ich bin immer gut gefahren mit Blog, Twitter und Facebook und auch selbst in den Foren ist man daran interessiert die Kanäle zu bündeln, um die Informationen darüber zu verschicken. Eine gute Kombination macht eine gute Reichweite aus :-)

  4. Danke für die Kommentare :)

    Wenn man jetzt schaut, dass dieser Beitrag bei Twitter mehrfach retweetet wurde und bei SEOigg und den SEO Nachrichten von SEOunited auftaucht, sind 3 Kommentare aber doch wohl eher wenig.

    Dieser Tweet zum Beitrag ist doch das beste Beispiel dafür, dass meine Thesen der Realität entsprechen.
    http://twitter.com/bernihochrainer/statuses/18502606157

    Grüße

  5. Hi Alex,
    ich finde du siehst das ein wenig zu pessimistisch. Ich bin der Meinung dass ein Tweet, der nur kurz sagt “sehe ich auch so” oder was auch immer mehr wert ist als ein Blog-Kommentar der nur heisst “guter Artikel”. Bei twitter hat man wenigstens die Chance dass sich der Link zum Artikel schnell weiterverbreitet. Wer wirklich etwas zu sagen hat und an der Diskussion teilnehmen will schreibt nach wie vor Kommentare die länger als 140 Zeichen sind.

    RSS Feeds haben auch weiterhin Ihre Berechtigung da man ja nicht immer 24/7 am Twitterfeed sitzt und auch mal was durchrutschen könnte. Ich checke regelmäßig meine Feeds

    Cheers,
    Marcel

    P.S.:Bin natürlich über Twitter auf deinen Post gestoßen ;-)

  6. Ich finde, dass man auch Sachen in einen Blog schreibt, um darauf zurück zu greifen. Bzw. hofft man, dass andere durch Google auf den Blogpost aufmerksam werden.
    Ich programmiere und habe dabei so manch spezifisches Problem, wobei es mitunter schwierig ist eine Lösung zu finden. Wenn ich so einen Fall habe (und dazu noch Zeit :-) ) dann versuche ich dies auch in einen Beitrag zu packen. Dann kann jemand anderes davon profitieren, da dieser dann die Infos hoffentlich schneller findet als ich.
    Wenn ich das nur bei Twitter posten würde, wäre es ja innerhalb kürzester Zeit wieder weg. Blog sind eher die “Konserven” der Kommunikation während Twitter halt nur für den kurzzeitigen Austausch von Infos und Seiten ist.
    Maik

  7. Also, auch ich meine, dass die Verbreitung von Twitter kein Grund zur Traurigkeit und schon gar kein Grund für Abgesänge sein sollte. Zu Social Media gehört unabdingbar der Wandel – sonst könnten PR-Profis ja heute mit einer Web-2.0-Strategie rausgehen und diese bis ans Ende ihrer Tage den Kunden anbieten.

    Ich lese Blogbeiträge fast ausschließlich, weil ich über Twitter darauf stoße. Bezogen auf die Verbreitung halte ich Twitter für einen höchst effektiven Dienst. Außer Frage steht jedoch, dass er Veränderungen in der Evaluierung von Web-2.0-Maßnahmen mit sich bringen wird. Denn so, wie Du es oben beschreibst, funktioniert es ja nicht mehr.

  8. Ich sehe das ähnlich. Niemand wird Twitter einem informativen und gut geschriebenen Blog vorziehen. Wie der Autor selbst zugibt, eignet sich Twitter nicht wirklich zu einem inhaltlichen Austausch.
    Die Zukunft hängt übrigens auch von der Konkurrenz der Blogs untereinander ab. Das Angebot wird einfach immer größer, die Qualität leider aber nicht besser. Da wird Twitter wohl nicht nicht das große Problem sein.

  9. “Wer braucht eigentlich einen RSS-Feed?”
    Na, ich zum Beispiel bin über den RSS-Feed im Google Reader auf Dein Post aufmerksam geworden.

    Die jungen Leute, die digital natives, werden nicht mit Blogs groß, sondern mit facebook und twitter. Die Leute meiner Generation (40plus) kommen aus der Blogwelt und registrieren nun ein nachlassendes Interesse an ihren eigenen Blogs. Dazu twittern sie auch immer mehr selbst und verlagern ihre Arbeit immer mehr ins Microblogging. Das ist schon schade, weil tiefergehende Inhalte auf der Strecke bleiben. Aber was soll man sich die Mühe machen, wenn’s am Ende doch keiner liest & kommentiert.

  10. Die junge Generation, die jetzt mit dem Twittern aufwaechst, wird dies in der Zukunft wohl mehr nutzen, als die Kommentarfunktion. Solange es aber noch einige “alte” Hasen gibt, fuer die Twitter Neuland ist und nicht so Recht etwas damit anzufangen wissen, ist die Blogsphaere sicher noch nicht tot.

    Ich schreibe lieber Kommentare als zu Twittern, was auch daran liegt, das mir Twitter immer noch sehr suspekt ist.

    Gruss aus Phuket


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